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[ E-Learning ]

Elektronisch lernen

Softwarehersteller bieten flexible Schulungen per Video, CD-ROM und Internet.

Lernen am Bildschirm: schnell und effektiv, wenn Vorkenntnisse bestehen. Nachteil: Man arbeitet alleine.

Nils Hille, Eric Sturm
In den 90er-Jahren herrschte beim E-Learning Euphorie. Es versprach zeit- und ortsunabhängiges Lernen; Wissenserwerb per Computer sollte die Nutzer unabhängig von starren Kursterminen machen und ihnen Anfahrts- und Hotelkosten ersparen. Doch dann wurden die großen Hoffnungen gedämpft. Nicht zuletzt, weil es sich im Seminarraum – weitab vom hektischen Tagesgeschäft – häufig besser lernen lässt als vor dem Computerbildschirm im Büro. Auch verhinderten bisher oft technische Unzulänglichkeiten, dass E-Learning zum Erfolgsmodell wurde.

Mit der steigenden Verbreitung von leistungsfähigen Internet-Verbindungen (DSL, Kabel etc.) und der wachsenden Beliebtheit von Videos im Internet ergibt sich jetzt ein neues Bild: Gerade bei Software-Schulungen kommen nun neue Lernmöglichkeiten und Anbieter auf den Markt, deren Lernangebot durchaus eine Alternative zu klassischen Weiterbildungsmaßnahmen sein kann.

Was die Software-Branche bietet

Im Bauwesen nehmen der Zeit- und Kostendruck in den Projekten ständig zu. Moderne Softwarelösungen können helfen, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Wirklichen Nutzwert entfalten die hoch entwickelten Planungshilfen jedoch erst, wenn das Büro über fundierte Anwenderkenntnisse verfügt – dies gilt sowohl für Office- oder Bildbearbeitungsprogramme als auch für Branchenlösungen wie CAD- oder AVA-Software.

Man könnte meinen, dass vor diesem Hintergrund die zeitlich flexible und ortsunabhängige Weiterbildung per E-Learning in der Branche sehr populär sei. Doch das E-Learning-Angebot der CAD-Hersteller präsentiert sich sehr unterschiedlich.

Die Nemetschek AG, unter anderem Hersteller der CAD-Software „Allplan“, legt einen Schwerpunkt auf klassische Schulungen und bietet im Bereich E-Learning lediglich vier CD-ROMs an, die sich an Architekten richten. Die Nachfrage nach elektronischen Weiterbildungslösungen ist laut Janet Franke, Manager Corporate Communications, im Vergleich zu den Präsenzveranstaltungen eher gering: „Wir führen dies auf die generelle E-Learning-Müdigkeit ­zurück, da bei dieser Form des Lernens soziale Komponenten und gruppendynamische Prozesse weitgehend ausgeblendet werden.“

Die RIB Software AG bietet neben klassischen Schulungen auch Onlinetrainings für ihre Produktpalette an. „Wir empfehlen unseren Kunden allerdings, für eine Grundlagenschulung zu uns zu kommen, wenigstens für einen Tag“, erklärt Silke Gabler, die die Schulungsmaßnahmen des Stuttgarter Anbieters koordiniert. Einige Stimmen von Nutzern: Falko Paul von Paul+Paul Freie Architekten aus Sachsenheim hat nach der Umstellung auf ein neues AVA-Programm eine klassische eintägige Schulung des Anbieters RIB Software mitgemacht. Für vertiefende Schulungen von wenigen Stunden könnte er sich aber durchaus vorstellen, das E-Learning-Angebot des Softwarehauses auszuprobieren: „Anstatt zwei bis drei Stunden Fahrzeit auf mich zu nehmen, würde ich das schon nutzen.“

Die acerplan Planungsgesellschaft mbH in Halle (130 Mitarbeiter) nutzt gelegentlich das webbasierte Lernangebot verschiedener Anbieter, um einzelne Mitarbeiter mit bestimmten Software-Produkten schulen zu lassen, berichtet EDV-Leiter Matthias Glumpf: „In der Regel buchen wir aber klassische Schulungen, zu der unsere Mitarbeiter einzeln oder in Gruppen ­hinfahren. Bei Schulungen am Arbeitsplatz ist es manchmal schwer, sich angesichts des Termindrucks in den Projekten die Zeit zum ­Lernen zu nehmen.“

Fernlehrgang: Neben der direkten Kommu­nikation zwischen Trainer, Moderator und Teilnehmern sind auch virtuelle Einzel­gespräche möglich.

Eine Erfahrung, die auch Silke Gabler bestätigt: „Die Onlineangebote sehen wir eher als Zusatztraining für sehr spezifische Themen.“ Die Nachfrage nach Onlinetrainings, bei denen der Lernende zusammen mit einem persönlichen Trainer via Internet bestimmte Aufgabenstellungen durcharbeitet, ist laut Gabler „eher verhalten“. Dies könnte unter Umständen auch mit den Kosten zusammenhängen: 120 Euro sind für die erste Stunde fällig, darüber hinaus werden 20 Euro pro angefangene zehn Minuten berechnet. Weniger als 100 Stunden Onlinetraining führt RIB pro Jahr durch.

Elektronisch lernen spart Geld

Seit 2006 bietet Bentley Systems (Microstation, Speedikon) für seine deutschen Kunden neben klassischen Schulungen auch Weiterbildung per E-Learning an. Bereits jetzt seien Inhalte mit einem Umfang von über 30 Kurstagen online, sagt Stefan Leybold. Der Leiter des deutschen Ablegers des Bentley-Institutes: „Im Frühjahr 2008 werden wir das Schulungsangebot um weitere 30 Tage Lerninhalte erweitern. Besonders Kunden, die stark in Projekten eingebunden sind, nutzen unser Angebot gern, weil es flexibler und ­kostengünstiger ist als herkömmliche Schulungen.“ Die Kosten für E-Learning-­Inhalte ­liegen 60 bis 80 Prozent niedriger als für ­vergleichbare klassische Schulungsveranstaltungen.

Das E-Learning-Angebot von Bentley umfasst zum einen Fernlehrgänge, bei denen die Kursteilnehmer via Internet (Telefonie, Webcam) mit dem Trainer kommunizieren und gemein-sam Aufgaben bearbeiten, zum anderen Selbstlernkurse, die die Lernenden ohne Betreuung absolvieren. Dabei wird vor allem an Beispieldatensätzen und Online-Schulungshandbüchern gelernt, teilweise kommen auch kürzere Videosequenzen zum Einsatz.

Stefan Leybold ist überzeugt, dass die Nutzung von E-Learning-Angeboten im Architekturbereich weiter zunehmen wird: „Parallel zur wachsenden Akzeptanz von Kommunikationsmedien wie Internet und E-Mail wird sich auch die Akzeptanz für das Onlinelernen entwickeln.“

Alexander Moers, Architekt aus Berlin, nutzt bei der Arbeit am CAD-Programm sowohl die Onlinehilfe als auch Videoschulungen: „Online verfügbare Informationen geben meist gezielt Antwort auf spezielle Fragestellungen“, sagt Moers. „Wichtig ist für mich, dass zum Beispiel die Programmoberfläche nicht nur beschrieben, sondern mindestens in Screenshots dargestellt ist. Ideal sind Videos, die eine Problem­stellung komplett durchgehen und keine Fragen offen lassen“, so der junge Bürogründer weiter.

Die Firma CyCoT hat sich in den letzten Jahren auf die Herstellung von Videotrainings für das Bauwesen spezialisiert und plant, dieses ­Angebot weiter auszubauen, sowohl in Form von Selbstlernkursen auf CD-ROM als auch über die Bereitstellung von Videotrainingsmodulen im Internet. Auf der Plattform allplanlernen.de hält das Augsburger ­Unternehmen derzeit ein umfangreiches Schulungsprogramm für ­Nutzer der CAD-Software Allplan bereit. Im nächsten Jahr sollen ­kostenpflichtige Schulungsangebote, teilweise in virtuellen Kursräumen mit live hinzugeschalteten Trainern, das kostenlose Angebot ­ergänzen. Karl-Heinz Maier, einer der CyCoT-Geschäftsführer, geht ­davon aus, „dass die künftige Marktentwicklung das standardisierte Erlernen von Bausoftwareprodukten beim Hersteller vor Ort in Teil­bereichen ablösen wird“.

Dipl.-Ing. Eric Sturm ist Webdesigner und Publizist in Berlin.


www.akademie.de Selbstlernkurse, Praxistipps, Videoanleitungen, Online-Workshops zu Themen wie MS Office, E-Mail, PDF, Scannen, Bildbearbeitung, Grafik und Layout bis hin zu betriebswirtschaftlichen Themen, etwa 15 Euro/Monat.

Nützliche Adressen

www.vtc.com E-Learning-Portal aus den USA mit rund 60 000
Videoschulungen (8 000 davon kostenlos nutzbar).
Themenunter anderem: Maya, Cinema 4D, 3D Max, Autocad, Office-
Programme, Grafikprogramme oder Betriebssysteme, Englisch,
Zugriff auf das komplette Angebot für etwa 30 US-Dollar/Monat.

www.bentley.com/de-DE/Training/ E-Seminare zum Selbst­lernen sowie Lehrfilme zu bestimmten Anwenderaufgaben.
Nutzung erfordert ein (kostenpflichtiges) Jahresabonnement; ein kostenloser Testzugang ist möglich.

www.allplanlernen.de Kostenloses Videoschulungsportal für
Nemetschek-CAD-Anwender.

www.computerworks.de/Videoschulung.382.0.html Kostenlose Lernvideos für VectorWorks-Anwender. Up­datefilme stellen Neuerungen der jüngsten Software-Versionen vor.

https://elearning.uni-weimar.de/mcbauphys Berufsbegleitende Weiterbildung zur Bauphysik der Bauhaus-Universität Weimar.

Informationen:

Videotraining (auch „Videoanleitung“ oder „Screencast“)
Kurze Digitalvideos, die den Umgang mit Softwareprogrammen demonstrieren. Diese Lernform hat in den letzten Jahren stark zugenommen.
WBT/CBT
Ein „Web Based Training“ (WBT) beschreibt ein Lernangebot, das
auf einem Server bereitgestellt wird. Von einem „Computer Based Training“ (CBT) spricht man, wenn Lerninhalte auf transportablen Speichermedien (zum Beispiel CD-ROMs oder DVDs) gespeichert werden.
Synchrones und asynchrones Lernen
Beim „synchronen Lernen“ besteht die Möglichkeit zur direkten, unmittelbaren Kommunikation zwischen Trainer und Kursteilnehmern. Beim „asynchronen Lernen“ ist lediglich eine zeitversetzte Kommunikation möglich.
Blended Learning (deutsch: „Integriertes Lernen“)
Verknüpfung von E-Learning und klassischen Weiterbildungsformen
Virtual Classroom (auch „Virtueller Kursraum“)
Die geografisch voneinander entfernten Kursteilnehmer kommunizieren via Internet. Die Kommunikation kann schriftlich, telefonisch und/oder visuell (Webcam) erfolgen.
Selbstlernkurs
Anders als im „Virtuellen Kursraum“ oder bei Fernlehrgängen muss der Lernende bei Selbstlernkursen ohne eine Betreuung durch einen Trainer oder Tutor auskommen. Zur Klärung offener Fragen gibt es meist Hand­bücher oder Onlineforen.

Weiterbildung im Netz

„Wer als Architekt Seminare zur Fort- oder Weiter­bildung sucht, sollte schnell und unkompliziert passende Angebote finden“, sagt Robert Jöst von der Bundesarchitektenkammer. Doch die Fülle an Themen kann die Kammer eines Bundeslandes allein nur schwer abdecken. Oft lohnt sich da schon der Blick in das Angebot der Nachbarländer. Um hierbei eine aufwendige Recherche zu vermeiden, gibt es ein Onlineportal für alle.

Unter www.architektenweiterbildung.de ist die Suche wahlweise nach anbietender Architektenkammer, Monaten, Sachgebieten oder Stichworten möglich. Jöst: „Hier kann man sehr einfach und zielführend das ­passende Seminar finden.“ Der Klick auf eines der aufgelisteten Angebote öffnet ein neues Fenster, das zu den Details auf der jeweiligen Kammerseite führt. Hier erfährt man nun die genauen Inhalte, den Zeitrahmen sowie den Preis der Weiterbildung.

Wer Seminare anderer Architektenkammern im ­Rahmen der Fortbildungspflicht besuchen möchte, sollte mit der eigenen Architektenkammer vorab ­klären, inwieweit diese angerechnet werden können.Das Angebot www.architektenweiterbildung.de ist seit dem Start 2005 sehr stark gewachsen. Drei Kammern aus der Mitte Deutschlands machten den Anfang, mittlerweile sind zehn weitere hinzu­gekommen. Bayern und Brandenburg sind die aktuellen Neuzugänge. Jöst: „Ich hoffe, dass bald eine deutschlandweite Suche über dieses Portal möglich ist und alle Benutzer ihr passendes Angebot darüber finden werden.“

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