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[ Galileo Architecture Award 2007 ]

Sandwich für Bau-Gourmets

Für Bauten mit Sandwichelementen hat die Marketing Organisation Galileo zum ersten Mal Architekturpreise vergeben. Die Ergebnisse rücken diese Bauweise in ein neues Licht.

Die Sandwichbauweise hat in der Architektur bisher eher ein Schattendasein gefristet. Den Vorteil der hohen Dämmung hat sich lediglich der Kühl- und Kraftwerksbau zunutze gemacht. Wegen dieses speziellen Einsatz­gebiets hat man lange an die Produkte keinen besonderen gestalterischen Anspruch gestellt. Das hat sich inzwischen dank kontinuierlicher Weiterentwicklung von Funktionalität und Design geändert. Jetzt will die Branche auch bei der „gehobenen Architektur“ beachtet werden – Hauptziel des erstmals verliehenen „Galileo Architecture Award“. Dr. Horst Die­ter Schulz, Geschäftsführer der ThyssenKrupp Bausysteme: „Wir sprechen jetzt von der vierten Elementegeneration. Die Sandwichpaneele liefern durch die integrierte Fotovoltaik sogar Strom.“

Aber das ist nur eine der Entwicklungen, auf die die Branche verweisen kann. Mit Sandwichelementen ist vom einfachen Raumabschluss bis zur Kälte- und Klimatechnik vieles möglich. Besonders Details wie spezielle Eckausbildungen, Systemlösungen für integrierte flächenbündige Fenster, unsichtbare Befestigungen der Elemente oder innovative Farbgebung machen sie jetzt auch für den Wohnungs- und Gewerbebau interessant.

Hohes Niveau

Von der kreativen Vielfalt der inzwischen realisierten Objekte zeigte sich sogar die Herstellerbranche überrascht. Entsprechend groß war die Resonanz auf den Architecture Award 2007. Neben der Quantität der Teilnehmerzahl beeindruckte vor allem das hohe Niveau, auf dem Architekten heute mit Sandwich­elementen bauen. Dies betrifft sowohl die architektonische Kreativität als auch Bauphysik, Konstruktionsdetails und Wirtschaftlichkeit. Bemerkenswert ist, dass etwa ein Drittel der eingegangenen Wettbewerbsbeiträge Eigenheime sind, die überwiegend in Passivbauweise mit hervorragenden Dämmwerten ausgeführt wurden. Zwei Drittel der Objekte sind Industrie- und Gewerbegebäude, Mischbauten für Industrie und Verwaltung, Bürogebäude, Waren-, Handels- und Geschäftshäuser sowie Sportstättengebäude.

Die Jury entschied sich einstimmig für zwei gleichwertige erste Preise im Nichtwohnbau und für eine Anerkennung eines Einfamilienhauses. Die Preisverleihung fand am 16. November 2007 im Bauhausarchiv Berlin statt.

Ein Hängehaus beherbergt das Experimentallabor der Universität Göttingen.

Experimentallabor

Einen der beiden ersten Preise erhielten Bez + Kock Architekten BDA, Stuttgart, mit dem Planungspartner Venneberg + Zech für das 2005 erstellte XLAB – Göttinger Experimentallabor für junge Leute. Im Auftrag des Universitätsbaumanagements Göttingen sollten die Architekten auf dem Unicampus ein Gebäude planen, das den Studenten ein interdisziplinäres Arbeiten erlaubt.

Diesen pädagogischen Anspruch haben die Planer mit einer innovativen Tragwerkkonstruktion und einer Fassadenlösung aus farbigen Sandwichelementen realisiert. Der fünfgeschossige Neubau ist als Hängehaus konzipiert. Die Geschossdecken werden an ihren Rändern von 16 Zugstäben mit nur 36 Millimetern Dicke gehalten, die ihrerseits von einem über dem Hausdach angeordneten Stahlbetonrost abgehängt sind. Dieser vorgespannte Trägerrost liegt auf vier Stahlbetonpfeilern auf, die die gesamte Vertikallast aufnehmen und gleichzeitig als Installationsschächte dienen.

Die Hänger verbleiben frei sichtbar in den Unterrichtsräumen und veranschaulichen so das konstruktive Prinzip des Hauses. Vorgelagerte Fluchtbalkone bilden eine zweite Fassadenschicht und sind als leichte Stahlkonstruktion ebenfalls vom Trägerrost abgehängt. Das knappe Budget zwang zu einfachen und kostengünstigen Materialien, deren Kombination und sorgfältige Detaillierung jedoch ein beeindruckendes Erscheinungsbild erzeugen. Die nicht tragenden Fassaden bestehen aus leuchtend farbig lackierten Stahl-Sandwichpaneelen, die jedem Fachbereich eine eigene Identität verleihen und die Orientierung im Gebäude erleichtern.

Ein springender Gepard lieferte die Grundidee für die Gebäudeform auf freiem Feld.

Abhebende Räume

Der andere erste Preis ging an ARTEC Architekten Richard Manahl, Wien, für das 2004 fertiggestellte Betriebsgebäude der Efaflex-Schnelllauftore in Baden bei Wien. Das Unternehmen hatte für die Bereiche Verkauf und Administration einen neuen Bau geplant und dafür ein Grundstück in einem noch unbebauten Gewerbegebiet ausgewählt. Die Perspektive, dass die angrenzenden Bauplätze ebenfalls mit Industriegebäuden bebaut werden, ließ die Architekten eine erhöhte Lage des Büroteils vorschlagen.

Das räumliche Abheben der Bürofläche von der sonst ebenerdigen Lagerhalle führte zwar zu einem erhöhten konstruktiven Aufwand, konnte aber die räumliche Situation entscheidend verbessern. Außerdem schützt der auskragende Bereich bei rauem Wetter nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch den Bereich der Torauslieferung. Die Bürofläche im Obergeschoss ist an drei Seiten raumhoch verglast, mit elektrisch ansteuerbaren Sonnenschutzlamellen im Scheibenzwischenraum in Richtung Südost und Südwest. Bürobereich und Zugang werden durch Verglasung besonders hervorgehoben.

Die Stahlhohlkastenträger für die Lastabtragung der Auskragung zusammen mit den Hohlräumen der Spannbeton-Dielendecke werden von der Haustechnik sozusagen als großer Heizkörper zur Gebäudebeheizung und -kühlung verwendet (Hypokaustenprinzip, Vortemperierung über Erdkollektor). Umschlossen wird der Baukörper von einer matten metallischen Paneelhaut. Sie besteht aus innen wie außen identischen Sandwichelementen mit zwölf Zentimeter Wärmedämmung im Zwischenraum.

Grundstück nicht bebaubar – bis diese außer­gewöhnliche Bauweise die Behörden überzeugte.

Steillage

Für das Wohnhaus der Familie Tauscher im nordrhein-westfälischen Werdohl sprach die Jury eine Anerkennung aus. Architekt Rüdiger Wilde und Schnitzler + Sikora, Beratende Ingenieure VBI, ist bei diesem 2004 fertiggestellten Objekt etwas nicht Alltägliches gelungen. Bis dahin galt das Grundstück wegen der extremen Steillage als nicht bebaubar. Doch die Bauherren lockte der niedrige Grundstückspreis von 20 000 Euro, und die Genehmigungsbehörde behandelte die Planungen wohlwollend. Der Weg war somit frei für ein ungewöhnliches und modernes Einfamilienhaus in Industriebauweise.

Die Grundkonstruktion besteht aus vier feuerverzinkten Stahlträgern, die im Hang auf Fundamenten liegen und zur Straße hin abgestützt sind. Sie nehmen sowohl die Fundamentplatte des Erdgeschosses auf als auch die zweite Stahlkonstruktion für das Obergeschoss, bestehend aus umlaufenden Stahlträgern mit Eckstützen. Dadurch ist die Raumaufteilung frei wählbar. Wegen der Aussicht ist die Südfassade komplett verglast.

Die Außenhülle des Hauses besteht aus zehn Zentimeter starken Sandwichelementen, die verdeckt befestigt sind. Außen ist die ­Fassade in Weißaluminium mit abgesetzten weißen Kunststofffenstern gestaltet. Innen sind die Wände grauweiß. Die Zwischende-cke und das Pultdach bestehen aus von unten sichtbaren, lackierten Trapezblechen als Tragschale mit aufgelegter Spanplatte und 4,5 Zentimeter starkem Dämmpaket als Installationsebene für Elektrotechnik und Heizung. Darauf ist ein Holzfußboden aus OSB Platten verlegt. Die Raumtrennwände setzen sich aus einem Metallständerwerk und Gipskartonplatten zusammen. Diese Bauweise erlaubte es, neben dem knappen Budget auch die Vorgabe einer kurzen Bauzeit von fünf Monaten einzuhalten.