DABonline | Deutsches Architektenblatt
Menü schließen

Rubriken

Services

Menü schließen

Rubriken

Services

Zurück
[ Gesetzesvorhaben ]

Energische Regierung

Kaum in Kraft getreten, soll die Energieeinsparverordnung schon wieder novelliert werden; geplant ist auch ein Gesetz zur Verwendung erneuerbarer Energien. Die Bundesarchitektenkammer sieht in beiden Fällen Verbesserungsbedarf.

Leuchtendes Beispiel? Gesetzesvorhaben sind teils eher übereifrig.

Barbara Schlesinger
Die jüngste Änderung der Energieeinsparverordnung (EnEV) ist am 1. Oktober 2007 in Kraft getreten. Doch die Entwicklung ist dynamisch: Schon plant die Bundesregierung die nächste Novelle – die EnEV 2009. Die Bundesarchitektenkammer hat dazu eine Stellungnahme erarbeitet, aus der hier einige ­wesentliche Punkte dargestellt sind:

Im Allgemeinen können die Anforderungen einer verschärften EnEV mit dem heutigen Stand der Technik erfüllt werden. Insbesondere für den Neubau erfordert dies ein zunehmend ambitioniertes Herangehen an die Aufgaben. Dies sieht die Bundesarchitektenkammer positiv, da es den Fortschritt in Technik und Know-how fördert und gerade Maßnahmen an Neubauten für besonders lange Zeit klimawirksam sind.

Auch beim Bestand ist eine Verschärfung grundsätzlich richtig. Bei der Umsetzung muss insbesondere auf die Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen geachtet werden, die den Primärenergiebedarf gegenüber dem heutigen Stand um 30 Prozent senken soll. Bei Modernisierungen müsste damit künftig der heute noch geltende Neubaustandard eingehalten werden. Das kann im Bestand zu einem größeren, unwirtschaftlichen Aufwand führen. Etwa wenn Wärmebrücken durch den Abriss einbindender Balkone reduziert werden oder wenn Warmwassernetze eingebaut werden müssen, um dezentrale elektrische Durchlauferhitzer zu ersetzen. Die Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen des zuständigen Ministeriums müssen daher offengelegt werden, um eine fundierte Folgenabschätzung treffen zu können. Auf keinen Fall darf es passieren, dass Eigentümer wegen des immensen Aufwands auf Modernisierungen verzichten. ­Damit würde die gewünschte energetische Sanierung des Gebäudebestandes eher gebremst als beschleunigt.

Zu begrüßen ist die Absicht der Bundesregierung, für Wohn- und Nichtwohngebäude einheitliche Rechenverfahren für den Energieverbrauch einzuführen. Allerdings darf keines dieser Verfahren komplizierter sein als die heutigen. Die Absicht des Verordnungsgebers, für Wohngebäude die komplexen Rechenverfahren der DIN V 18599 einzuführen, ist zwar unter dem Aspekt der Einheitlichkeit positiv zu sehen, jedoch zum derzeitigen Zeitpunkt verfrüht. Mit ihr würde unter anderem ein völlig neues Rechenverfahren eingeführt, das sich derzeit noch in der Erarbeitung befindet, nicht erprobt ist und kurzfristig erheblichen Schulungsbedarf erzeugt. Verbraucher würden endgültig verwirrt. Schon heute müssen sie sich mit verbrauchs- und bedarfsorientierten Energieausweisen auseinandersetzen; künftig müssten sie zusätzlich beachten, ob die Ausweise nach der herkömmlichen A/V-Methode oder nach DIN V 18599 berechnet sind.

Die Novellierung der EnEV sollte zum Anlass genommen werden, die Frage der Qualifikation der Beteiligten erneut aufzuwerfen. Auch wenn die jetzt gültige EnEV nur Qualifikationsanforderungen an die Aussteller von Energieausweisen im Bestand stellt, zeigt die Praxis, dass diesem nicht zu den Architekten gehörenden Personenkreis weitere Aufgaben zugebilligt werden, etwa als Sachverständige im Förderprogramm Vor-Ort-Beratung. Einem Großteil derer, die heute zum Erstellen von Ener­gieausweisen berechtigt sind, fehlt aber die nötige Kompetenz, um künftig verschärfte Anforderungen an Gebäude zu bewältigen.

Grundsätzlich sinnvoll ist der Plan, Nachtstrom-Speicherheizsysteme außer Betrieb zu nehmen. Hier sollte die heute ab 2020 geplante erste Stilllegungsfrist für Altgeräte, die vor 1983 eingebaut wurden, sogar auf 2014 vorgezogen werden. Ansonsten muss auf diesem Gebiet differenzierter geregelt werden als bisher geplant.

Ebenfalls Anfang 2009 soll das Gesetz zur Förderung Erneuerbarer Energien im Wärmebereich (EEWärmeG) in Kraft treten. Es soll Bürger und Unternehmen dazu bewegen, den Anteil erneuerbarer Energiequellen an ihrem Verbrauch zu erhöhen. Hierfür, aber auch für den Erfolg der Energiepolitik insgesamt, wird es von großer Bedeutung sein, dass Bürger das Gesetz nicht als bürokratische Maßregelung empfinden, sondern motiviert werden, erneuerbare Energien einzusetzen.

Das ist bei dem vorliegenden Gesetzentwurf eher fragwürdig, da für den Einsatz ­erneuerbarer Energien keine energetische Planung zur Reduzierung des Energieverbrauchs zugrunde liegt, wie es nach anerkannter fachlicher Meinung vorrangig sinnvoll wäre. Dass die Maßnahmen zum Einsatz erneuerbarer Energien nicht in die EnEV aufgenommen wurden, die ja bereits Entsprechendes vorsieht, ist unverständlich und schafft Unübersichtlichkeit durch weiteren Bürokratieaufwand.

Eine besonders problematische Festlegung hat die Bundesregierung bereits aufgegeben: Bei jeder „grundlegenden Sanierung“ eines Bestandsgebäudes sollte der zusätzliche Einsatz von erneuerbaren Energien für Gebäude im Bestand vorgeschrieben werden. Das hätte hohe Zusatzkosten verursacht und eigentlich sinnvolle Sanierungen verhindert. Nach Einwänden zahlreicher Organisationen, auch der Bundesarchitektenkammer, wird es diese Vorschrift nun nicht geben.

Die Pflicht zum Einsatz erneuerbarer Energien im Neubau ist zu begrüßen. Anstelle der Festsetzung bestimmter Arten von erneuerbaren Energien hält die Bundesarchitektenkammer es jedoch für sinnvoller, Zielvorgaben in Form des Energiebedarfs beziehungsweise der maximal zulässigen CO2-Emissionen pro Quadratmeter zu machen – kompatibel mit den notwendigen Nachweisen und Berechnungsmethoden der EnEV. Damit bliebe den Eigentümern und den Planern die Wahlfreiheit, mit welcher erneuerbaren Energie sie die Vorgaben erreichen wollen, und die Möglichkeit zur Optimierung der im Rahmen einer energetischen Planung getroffenen Maßnahmen. Die Beschränkung auf die genannten Energieträger ist nicht sachgerecht. So ist es zum Beispiel ökologisch sinnvoller, den geringen Restwärmebedarf eines Passivhauses durch eine Stromheizung zu decken.

Problematisch ist die Ermächtigung für Gemeinden, vorzuschreiben, dass Grundstücke an ein Netz der öffentlichen Nah- oder Fernwärmeversorgung anzuschließen sind und der Wärmebedarf ausschließlich daraus zu decken ist. In der vorliegenden Fassung mit der Forderung nach Ausschließlichkeit ist dieser Paragraf noch differenzierter auszuarbeiten, damit er nicht zu dem Gesetzesziel zuwiderlaufenden Effekten führt. Eine zwangsweise Fernwärmeversorgung ist abzulehnen, da diese zurück zu einer Zentralisierung der Energieversorgung in kommunalen Strukturen führen kann und so die Wahlfreiheiten der Endverbraucher beschränkt. Vielmehr sollte der Aufbau dezentraler Versorgungsstrukturen gestützt und für den Verbraucher die Wahlfreiheit sichergestellt werden.

Die Anfang Dezember vom Bundeskabinett getroffene Entscheidung, den Einsatz von erneuerbaren Energien verstärkt zu fördern statt zu fordern, ist sehr zu begrüßen. Die Förderung steigt von 130 Millionen auf 350 Millionen Euro 2008 und schließlich 500 Millionen Euro im Jahr 2009. So wird zusammen mit der bereits bestehenden umfassenden Förderung das Ziel zur energieeffizienten Gestaltung von Gebäuden im Bestand und im Neubau weiter verstetigt. Die energetische Planung spielt hierbei eine zentrale Rolle.

Dipl.-Ing. Barbara Schlesinger ist Referentin für Architektur und Bautechnik der Bundesarchitektenkammer.