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Standpunkt

Plakat mit Leitbild

Ein einfacher Bauplan, ein halbfertiger Jenga-Turm und auf Bausteinen Begriffe wie Qualität, Innovation, Nachhaltigkeit, Kooperation, Qualifikation, Legalität. „Was soll das?“, mögen Sie fragen. „Gefällt mir das? Und was soll ich damit?“ | Joachim Brenncke

Plakate sind zum Aufhängen da. Dieses hier ist im Auftrag des Bundesbauministeriums gestaltet und für Architektur- und Ingenieurbüros, für Bau- und Handwerksbetriebe, für Zulieferer und Facility-Manager gedacht, also für die gesamte Wertschöpfungskette. Für sie alle haben sich die Vertreter von elf Berufen und Branchen nach jahrelanger Diskussion in diesem Jahr ein gemeinsames Leitbild Bau gegeben. Nach draußen soll es den hohen Qualitätsanspruch und das Verantwortungsbewusstsein der Beteiligten zeigen. Das wird schon in ersten Wörtern der längeren Textfassung deutlich, in der immer wieder erinnernswerten Feststellung: „Baukultur steigert die Lebensqualität“. Aber das Leitbild soll auch nach drinnen wirken, soll zu Fairness und besserer Zusammenarbeit führen. Wir können uns zum Beispiel auf die Unterschrift von Vertretern der Bauwirtschaft unter den Satz berufen, nach dem „die Planungsfunktion der Architekten und Ingenieure nicht beeinträchtigt werden“ soll.

Das Leitbild soll also nach drinnen wie draußen auf das Bewusstsein und auf die Praxis am Bau wirken. Es gehört in die Köpfe. Daher hat sich das Bundesbauministerium, unter dessen Federführung das Leitbild entstand, zum Druck und zur Verbreitung des Plakats entschlossen. Eine erste sinnvolle Aktion, weil die Branche endlich wieder zueinander finden muss. Wir wissen viel über ihre Probleme und ihr schlechtes Image. Wir konzentrieren uns aber zu wenig auf die Stärken und Potenziale. Statt über den ruinösen Wettbewerb zu klagen, müssen wir uns zu neuen partnerschaftlichen, fairen Kooperationsmodellen bekennen. Statt über Unverstand und die schlechte Zahlungsmoral von Bauherren zu klagen, müssen wir die Qualität und Innovationskraft vermitteln, zu der Planer und Bauausführende fähig sind.

Es geht immerhin um eine Branche, die elf Prozent der gesamten Wertschöpfung in Deutschland leistet und in der zwölf Prozent aller Beschäftigten arbeiten. Viele in der Branche, aber erst recht viele draußen in der Öffentlichkeit wissen zu wenig von den starken Seiten des Planens und Bauens in Deutschland. Alle reden vom Klimawandel und von der Notwendigkeit, unsere Städte fit für die Zukunft zu machen. Aber nur wenige sehen den enormen Beitrag, den Architekten, Ingenieure, Zulieferer und Bauunternehmen dazu leisten müssen und werden.

Das Leitbild kann helfen, dass das Planen und Bauen mehr positive Emotionen auslöst und dass seine Qualität anerkannt wird, dass Akteure manche Verhaltensweisen überdenken und verändern. Ein Leitbild ist etwas Lebendiges. Es gehört geprüft, diskutiert und, wo nötig auch infrage gestellt – unter Kollegen, Partnern und Bauherren. Und es gehört verbreitet. Auch wenn Ihre Wände schon zu voll sind fürs Plakat oder wenn sie leer bleiben sollen: ­Nehmen Sie sich einen Moment Zeit für das Leitbild. Nutzen Sie es taktisch gegenüber Bauherren und Baubeteiligten; nutzen Sie es strategisch als Orientierungshilfe für eine ­Branchen- und Büroentwicklung, die uns insgesamt stärkt. 

Joachim Brenncke ist Vizepräsident der Bundesarchitektenkammer
Der Artikel ist erschienen in der Ausgabe 11/09
Artikel veröffentlicht: 01.11.2009