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E-Learning Ă–konomie

Online rechnet sich

Ökonomisches Denken und Handeln können Architekten nun über eine interaktive Plattform lernen. Die Kammer Niedersachsen bringt die Fortbildung ins Internet. | Nils Hille

Eine lange und teure Anreise, dazu die Übernachtungskosten, und Tage, die komplett blockiert sind – es gibt einige Gründe, wieso Fortbildungen bei Architekten nicht immer auf Begeisterung stoßen. Vor allem, wenn es um so unliebsame Themen wie die Wirtschaftlichkeit des eigenen Büros geht. Auch die Fortbildungsakademie der Architektenkammer Niedersachsen hat diese Erfahrung machen müssen. „Das ist ein sehr wichtiges Thema für Büroinhaber und Existenzgründer, wurde aber in der klassischen Seminarform nicht gut angenommen“, sagt Referent Jürgen Hermann. Er und sein Kollege Tim Wameling wollten sich mit den geringen Besucherzahlen nicht zufrieden geben. Eine völlig neue Herangehensweise war gefragt – eine, bei der die Gegenargumente keine Chance mehr haben.

Entstanden ist daraus „i::LÖArN“, die interaktive Lernplattform Ökonomie für Architekten in Niedersachsen. Ab Ende des Monats können nicht nur die Planer des nördlichen Bundeslandes dieses neue Angebot nutzen. Das Onlineseminarkonzept macht auch den Zugang für Interessierte aus anderen Bundesländern frei.

Nur zur Einführungsveranstaltung ist eine Anreise nach Hannover nötig. Hier lernen sich die Seminarteilnehmer untereinander kennen, Wameling und Hermann stellen den Lehrplan und die technische Handhabung vor. Danach läuft alles per Internet. Wer einen Computer mit ISDN-, besser DSL-Anschluss, einen Lautsprecher und ein Mikrofon besitzt, erfüllt die technischen Voraussetzungen. Über das Internet lädt sich der Planer ein Programm herunter. Mit diesem kann er online den Konferenzraum betreten, in dem die einzelnen Module stattfinden.

Virtueller Fingerzeig

Jeden letzten Montag im Monat beginnt eine der vier sogenannten „i-lessons“ zu Marketing, Rechnungswesen, Investitionsrechnung oder PeP7-Kennzahlen mit einer Einführung (siehe Kasten). „Der jeweilige Dozent sitzt ebenfalls irgendwo am Computer und hält seine Seminarstunde via Präsentation und Mikrofon“, erklärt Hermann. Die Teilnehmer hören und sehen dabei zu. Bei Fragen können sie sich per Klick „melden“. Der Dozent sieht dies durch ein Handsymbol auf seinem Bildschirm und erteilt dem Fragenden das Wort – nun können ihm alle zuhören und wiederum per Redewunschklick reagieren. „Es ist also nicht nur einen Onlinepräsentation, sondern eine Plattform, auf der interaktiv kommuniziert wird“, beschreibt Hermann. So gibt es auch die Möglichkeiten, gemeinsam in einer Grafik oder einer Tabelle zu arbeiten, auf einem Whiteboard Ideen zu entwickeln oder zusammen im Internet zu surfen. „Außerdem ermutigen wir die Dozenten regelmäßig, während der Stunde Nachfragen zu stellen. Per Umfrage können sie zum Beispiel direkt erheben, ob ein inhaltlicher Abschnitt nachvollziehbar war“, so Wameling. Mithilfe eines Tortendiagramms sieht der Dozent das Feedback grafisch aufbereitet direkt auf seinem Monitor. Auch inhaltliche Abfragen geben ihm Aufschluss über seinen Vermittlungserfolg. „Je fordernder ein Dozent ist, desto mehr Inhalt kann er weitergeben“, ist Wamelings Erfahrung nach den zwei Testdurchläufen der Fortbildung.

Am Ende der ersten Sitzung vereinbart der Lehrende mit den Lernenden den nächsten Termin. In der Zwischenzeit arbeitet die Gruppe das Thema mithilfe der Literatur nach. Die Teilnehmer können sich auch die komplette Sitzung als Aufzeichnung erneut ansehen. Nach der zweiten Sitzung folgen Übungen, die gemeinsam beim dritten virtuellen Treffen besprochen werden. Dieser Vorgang wiederholt sich bei allen vier Themenblöcken. Zwischendurch können an jeden Dozenten auch Nachfragen per E-Mail gestellt werden.

Praktischer Nutzen

Der zeitliche Aufwand von „i::LÖArN“ summiert sich auf umgerechnet neun Seminartage – zumindest dann, wenn der Teilnehmer auch die Abschlussveranstaltung besucht. Dieses Kolloquium ist ein freiwilliges Angebot, genauso wie die Zertifizierung, die an diesem Tag stattfindet. Hierfür müssen die Teilnehmer zu ihrem Büro konkret Zahlen gerechnet und ein Unternehmenskonzept aufgestellt haben, zu dem sie dann befragt werden. „Es ist gar nicht so einfach, das ökonomische Wissen auch auf das eigene Büro konsequent anzuwenden und dies zu Papier zu bringen. Für Existenzgründer ist diese Arbeit aber von großem Vorteil, um die wirtschaftliche Situation wirklich einschätzen zu können“, sagt Hermann.

Auch wenn die Onlinevariante theoretisch unbegrenzt Teilnehmer zulassen würde, haben die beiden Referenten eine maximale Gruppengröße von 20 Personen festgelegt. „Wenn hier jeder die Meldefunktion bei Rückfragen nutzt, hat der Dozent genug zu tun“, erklärt Wameling. Jedes halbe Jahr soll aber eine neue Lehrgangsrunde starten – wenn die Architekten genug Gründe dafür sehen, die interaktive Plattform zu nutzen. Und dann denken die beiden niedersächsischen Referenten auch über weitere Onlineangebote nach.

Module/„i-lessons“

M – Marketing

  • Kundenorientierung/Marktdifferenzierung
  • Kundenbeziehungsmanagement
  • Vom Erstkontakt zur Selbstdarstellung: Corporate Design/Corporate Identity
  • Marktanalyse zu neuen Tätigkeitsfeldern
  • Ideenworkshop

R – Rechnungswesen im Büro

  • Finanzrechnung: BuchfĂĽhrung, Bilanz, Erfolgsrechnung
  • Kosten- und Leistungsrechnung
  • Liquiditätsplanung

I – Investitionsrechnung

  • Wirtschaftlichkeit von Immobilienentwicklungsprojekten
  • Statische Verfahren
  • Dynamische Verfahren
  • Wertermittlungsverfahren
  • Wirtschaftlichkeit in Planung und Konstruktion
  • Bauprojektfinanzierung, Kreditprogramme zur Gebäudesanierung und Wohnraummodernisierung

K – Kennzahlen zur wirtschaftlichen Steuerung des Büros

  • Kosten und Kostenerfassung
  • Darstellung und Definition der Branchenkennziffern
  • Umsatzrendite, Umsatzziel, Arbeitskostenquote, Projektstundenanteil, mittlerer BĂĽrostundensatz, Gemeinkostenfaktor, -Aufwandswerte
  • Elemente des Projekt- und Unternehmenscontrollings, FrĂĽhwarnsysteme

i::LĂ–ArN

Interaktive Lernplattform Ă–konomie fĂĽr Architekten in Niedersachsen

Struktur: vier Module mit je drei Onlineterminen
Voraussetzung: Computer, Internetanschluss (mindestens ISDN, besser DSL), Lautsprecher, Mikrofon
Kosten: 390 Euro (EinfĂĽhrungspreis)
Start: 23. Februar 2009 (Präsenztermin)
Abschluss: 27. Juli 2009